
Krisenkommunikation à la ZDF
Krisenkommunikation à la Zweites Deutsches Fernsehen

Unter Profis gilt es als notorisch: Wenn Medienbetriebe Krisenkommunikation betreiben müssen, kommt es selten gut. Ganz nach dem Motto: Gut in der Kritik an anderen, aber wehe es ereilt sie selbst. Genau diese Erfahrung machte das ZDF im Nachgang des HEUTE JOURNAL vom 15. Februar 2026.
Die Geschichte in aller Kürze: Das Nachrichtenmagazin hatte dort einen Beitrag ausgestrahlt, in dem es um die Angst gehen sollte, die in den USA aufgrund des aggressiven Vorgehens der ICE-Agents herrscht - und auch Kinder verunsichert. Der Beitrag von Nicola Albrecht, ihres Zeichens ZDF-Korrespondentin in New York, war schon im Mittagsmagazin ausgestrahlt und von ihr dann für das HEUTE JOURNAL noch einmal neu aufbereitet worden. Dieses zweite Mal mit zusätzlichen Bildern, die zeigten, wie eine Mutter abgeführt wurde, während sich ihre Kinder schreiend an ihr festhielten.
Dumm nur: Die Bilder waren nicht echt, sondern klar und deutlich mit dem Wasserzeichen «Sora» versehen. Sora ist eine KI, die fiktive Videos erstellt. Bestens bekannt z.B. durch verschiedene Tiervideos, in denen sich die Tier sehr viel menschlicher verhalten als sie es natürlicherweise tun. Dazu verwendete Albrecht auch noch einen Ausschnitt eines Kindes, das von der Polizei abgeführt wurde, aber aus einem ganz anderen Zusammenhang stammt. Und schon aus dem Jahr 2022 - also lange vor der umstrittenen Politik der Trump-Administration.
Fake-Bilder in der Nachrichten-Berichterstattung - das ist natürlich ein NoGo - solange die Bilder nicht dazu dienen, genau das aufzuzeigen: Wie KI-Bilder dazu beitragen, Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Davon war aber im Off-Text der Korrespondentin keine Rede.
Von anderen Medien, darunter etwa dem Portal NIUS auf den Vorgang angesprochen, reagierte das ZDF zunächst, wie man es nie tun sollte: Mit billigen Ausflüchten. So hiess es erst, es handle sich um einen technischen Fehler, aus einem Versehen habe der Einblender gefehlt, dass es sich um KI-Bilder handle. Dann realisierte die Chefredaktion, dass KI-Bilder in einem Beitrag, in dem es nicht explizit um KI als Thema geht, immer noch einen Verstoss gegen die Redaktionsprinzipien darstellen, und musste ihre Kommunikation anpassen. Einige Tage nach Ausstrahlung des Beitrags musste sich Nachrichten-Chefin Anne Gellinek in einer neuen Ausgabe des HEUTE JOURNALS beim Publikum entschuldigen, zudem entschied das ZDF, Korrespondentin Abrecht aus New York abzuberufen.
Aber noch nicht genug der Pannen: Letzte Woche berichtete NIUS mit Video- und Tonausschnitten aus einer ZDF-internen Konferenz, in welcher die Chefredaktion und die Journalisten den Skandalfall diskutierten. Die durchgestossenen Aufzeichnungen dokumentieren weitere Eingeständnisse, die bislang nicht bekannt waren: So räumte z.B. ZDF-Chefredaktorin Bettina Schausten ein, dass Albrecht die KI-Bilder offenbar im Wissen darum eingebaut hatte, dass es sich um Fake-Bilder handelte. Nur: Über die Motivation von Albrecht, so etwas zu tun, erfuhr man nichts.
In diesem Zusammenhang muttet auch die Anmoderation des Beitrags seltsam an, sprach die Moderatorin Dunja Hayali dort doch explizit den Sachverhalt an, dass in den USA viele Video über ICE-Einsätze kursieren würden - echte wie auch gefakte. Schausten nahm Hayali gemäss den durchgestossenen Informationen in Schutz und behaupete, die Moderation habe den Beitrag nicht gesehen vor der Ausstrahlung - was auch nicht eben auf eine professionelle und seriöse Arbeit hindeutet.
Peinlich erscheint aber auch der Versuch des Washingtoner ZDF-Korrespondenten Elvar Thevessen, der Albrecht verteidigen wollte mit dem Hinweis, es sei jedes Wort in ihrem Bericht wahr gewesen. - Dass er beim Fernsehen arbeitet, wo nicht nur die Worte, sondern auch die Bilder wahr sein müssen, scheint dem Journalisten nicht bewusst zu sein.
Thevessen wie Hayali stehen zudem nicht das erste Mal in der Kritik. Sondern fallen immer wieder damit auf, dass sie mit ihren persönlichen Positionen nicht hinter dem Berg halten. Thevessen musste sich für Falschaussagen im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Politaktivisten Charlie Kirk entschuldigen. Er hatte ihm Aussagen unterstellt, die Kirk nie gemacht hatte.Auch Aussagen von Hayali erwiesen sich schon als faktisch unhaltbar, und auch sie steht unter ständiger Kritik, ihre eigene Gesinnung zu Markte zu tragen, statt ihrer Aufgabe als neutrale Informationsvermittlerin nachzukommen.
Quintessenz: Das ZDF hat mehrere «Best Practice» Regeln der Krisenkommunikation missachtet. Das beginnt damit, dass Missstände, für die der Sender seit langem in der Kritik steht (konkret: Dass sog. «Haltungsjournalisms» betrieben werde statt einer unvoreingenommenen, neutralen und differenzierten Berichterstattung), nie wirklich begegnet wurde. Damit handelte das ZDF gegen die Best-Practice-Regel, dass Missstände, die der Führung bekannt sind, nicht einfach ausgesessen sollen, sondern konsequent angegangen werden müssen. Bekannte, aber nicht adressierte Missstände verfügen über ein hohes Eskalationspotential, wenn «die Eiterbeule» dann doch aufplatzt. In dem bereits vorbestehenden Umfeld bot der Einsatz der KI-Bilder den besten Boden, um den Fehler deutschlandweit zu skandalisieren - und das bis weit in die Mainstream-Medien hinein.
Dann versuchte die Chefredaktion des ZDF im ersten Anlauf einer Krisenkommunikation, den Schwarzen Peter der Technik in die Schuhe zu schieben. Ein Verstoss gegen die Best Practice-Regel, dass das Weitergeben des schwarzen Peters nie souverän wirkt und deshalb unterbleiben sollte. Sogar wenn die Verantwortung tatsächlich an anderer Stelle liegen sollte, was hier aber nicht der Fall ist. Gleichzeitig widersprach dieser Abwehrversuch auch der goldenen Regel, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu kommunizieren. Bei einer sauberen Lagebeurteilung hätte sofort klar sein müssen, dass hier kein technisches, sondern ein inhaltliches Versagen vorlag.
Schliesslich verpasste es die Chefredaktion, den Vorgang nach aussen von Beginn an so transparent darzulegen, dass ein Durchstossen von Informationen aus der internen Veranstaltung keine neuen Erkenntnisse mehr hätte erbringen können.
Fazit: Der Fehler hat sogar im deutschen Bundestag für eine Debatte gesorgt, die ZDF steht einmal mehr in der Kritik, und dieses Mal nicht nur von Kreisen von rechts der Mitte.
